Unterhalb der „Schwalmere“ bildet die Alp Nessleren mit ihren ausgedehnten, felsigen Weiden den Abschluss des Saxettals. Das gesamte Gebiet mitsamt den schroffen Felswänden, die bis hinauf zur Wasserscheide reichen, zählt zum Einzugsgebiet des IBI-Wassers. Direkt unterhalb der Alp liegt auf rund 1’400 m ü. M. der höchstgelegene Wasserspeicher der IBI – das Reservoir Stalden.
Das Reservoir wurde im Jahr 1998 in Zusammenhang mit der Sanierung der Trinkwasserversorgung und dem Bau der Wasserkraftwerke im Saxettal gebaut. Als Stollenreservoir konzipiert, trieb man es wie einen Tunnel in den Felsen. Der gut 200 Meter lange Stollen mit einem Durchmesser von rund 3 Metern fasst 1.5 Millionen Liter Wasser – etwa so viel wie 7‘500 Badewannen. Ist das Reservoir voll, liegt der Wasserspiegel auf exakt 1'411.2 m ü. M.
Vom Berg ins Tal
Im Reservoir Stalden befindet sich Rohwasser. So wird Wasser bezeichnet, das noch keiner Aufbereitung unterzogen wurde. Es kann daher Belastungen aufweisen, welche für Trinkwasser nicht zugelassen sind. Unter günstigen Bedingungen kann Rohwasser aber auch ohne Aufbereitung als Trinkwasser verwendet werden.
Vom Reservoir Stalden führt eine Druckleitung zum Kraftwerk Geissbrunnen. Dort wird das Quellwasser erstmals turbiniert. Damit die Turbine im Kraftwerk Geissbrunnen optimal Strom produziert, benötigt sie einen gleichmässigen Wasserzulauf. Ist der Zulauf der Nessleren Quellen kurzfristig, zum Beispiel durch Trübungen bei starken Gewittern, nicht gewährleistet, sorgt das Reservoir Stalden für die nötige Reserve, sodass das Kraftwerk Geissbrunnen weiter Strom produzieren kann.
Damit die Turbine im Kraftwerk Geissbrunnen optimal Strom produziert, benötigt sie einen gleichmässigen Wasserzulauf.
Danach fliesst das Wasser ins kleinere Ausgleichsreservoir Lybuchen, bevor es im Kraftwerk Kammri oberhalb von Wilderswil ein zweites Mal turbiniert wird. Hier befindet sich eine weitere Brunnstube, in welcher das Rohwasser aus dem gesamten Quellgebiet im Saxettal aufbereitet wird. Die Desinfektion des Wassers erfolgt lediglich durch die Bestrahlung mit UV-Licht. Weitere Massnahmen, wie zum Beispiel Filtration oder die Beigabe von Chlor, sind nicht nötig. Als Trinkwasser gelangt das Wasser nun von der Brunnstube Kammri ins Verteilnetz und die Trinkwasserreservoire Rugen und St. Niklausen.
Wasser, Druck und „Manpower“
Zurück zum Reservoir Stalden: Gespeist wird es von insgesamt zehn Quellfassungen. Diese leiten das Wasser in verschiedene Brunnstuben, wo mitgeführte Sedimente in Form von feinem Sand abgesetzt werden. Die Zuläufe der Quellen werden ständig mit Sensoren überwacht: Ist die Trübung des Wassers zu hoch, werden Verwurfsklappen angesteuert, welche das Wasser am Reservoir vorbei in den Saxetbach leiten. Die Sensorik mitsamt der Steuerung für die Verwurfsklappen wird im Sommer 2023 ersetzt und ans Glasfasernetz der IBI angebunden. Im Gegensatz zum bisherigen System mit Kupferkabelverbindungen, gehören künftig Ausfälle durch Blitzschlag der Vergangenheit an.
Trotz der Trübungsmessung schafft es ein kleiner Teil dieser Sedimente bis ins Reservoir und weiter zum Kraftwerk. Alle zwei Jahre werden die Produktionsanlagen im Saxettal deshalb abgestellt und die Turbinen auf Beschädigungen überprüft. Während dieser Zeit werden die Reservoire und Brunnstuben entleert und gereinigt. Dies geschieht ausschliesslich mit Wasser, Druck und „Manpower“ – mehr braucht es dafür nicht. Nach diesen Arbeiten ist die Infrastruktur im Saxettal wieder fit, um die Bevölkerung auf dem Bödeli weiter mit bestem Trinkwasser zu versorgen und dabei einheimischen Wasserstrom zu produzieren.
Text: IBI
Ich war am Donnerstag mit dem E-Bike beim Reservoir Stalden, es interessierte mich, woher unser super Trinkwasser kommt. Der Bericht heute im Internet kommt für mich wie gerufen!
(23.07.23 - 19:06)
Das wusste ich nicht Sehr Interessanter Bericht
(18.07.23 - 23:18)